ATAS und Bookmap beantworten zwei verschiedene Fragen: ATAS zeigt dir primär, was gehandelt wurde, also das ausgeführte Volumen pro Preisstufe und Kerze. Bookmap zeigt dir primär, was geboten wird, also die liegende Liquidität im Orderbuch. Die Entscheidung lautet deshalb nicht „welches Tool ist besser“, sondern welche Perspektive dir bei deinem aktuellen Stand zuerst weiterhilft. Dieser Artikel vergleicht beide Programme auf Konzept-Ebene: was sie sichtbar machen, wo ihre Stärken liegen und für welchen Trader-Typ welches Werkzeug passt.
Zur Einordnung vorab: JKT-Trading ist offizieller Partner von ATAS und von Bookmap, beide Programme setzen wir in der Ausbildung ein. Genau deshalb bleibt dieser Vergleich bewusst ehrlich und konzeptionell. Es geht nicht darum, dir eines der beiden Tools zu verkaufen, sondern darum, dass du verstehst, welche Sicht auf den Markt du mit welchem Werkzeug bekommst.
Was Orderflow-Tools sichtbar machen
Ein normaler Candlestick-Chart zeigt dir vier Preise pro Kerze: Open, High, Low, Close, oft ergänzt um ein Gesamtvolumen. Was er nicht zeigt: wer innerhalb dieser Kerze aggressiv gekauft oder verkauft hat, an welchen Preisstufen das Volumen lag und wo im Orderbuch Limit-Orders auf den Kurs warten. Genau diese Lücke füllen Orderflow-Tools. Sie machen die Transaktionen und die Liquidität sichtbar, aus denen der Preis überhaupt erst entsteht.
Wenn dir Begriffe wie Footprint, Volume Profile, DOM oder Heatmap noch nichts sagen, lies zuerst unseren Grundlagen-Guide Orderflow-Trading. Dort werden die Werkzeuge und die Kernkonzepte Absorption und Imbalance im Detail erklärt. Hier geht es um die Frage danach: Mit welcher Software setzt du diese Analyse um, und worin unterscheiden sich die beiden bekanntesten Kandidaten?
ATAS im Profil: strukturierte Auswertung des gehandelten Volumens
ATAS ist im Kern eine Analyseplattform für ausgeführtes Volumen. Ihre bekannteste Stärke sind Footprint- und Clustercharts: Jede Kerze wird in ihre Preisstufen zerlegt, und du siehst für jede Stufe, wie viel Volumen auf dem Bid und auf dem Ask gehandelt wurde. Damit erkennst du, ob eine Bewegung von echter Aggression getragen wird, wo Delta und Volumen auseinanderlaufen und an welchen Preisen eine Seite dominiert hat.
Dazu kommt ein breites Fundament an Volumenwerkzeugen, allen voran das Volume Profile in verschiedenen Varianten, mit dem du Zonen mit viel und wenig gehandeltem Volumen identifizierst. Ergänzt wird das durch Statistik- und Filterfunktionen, mit denen sich große Orders und auffällige Aktivität aus dem Datenstrom herausfiltern lassen, sowie durch viele Chartdarstellungen jenseits der klassischen Zeitkerze, etwa volumen- oder range-basierte Charts.
Der Charakter des Tools lässt sich so zusammenfassen: ATAS ist ein Werkzeug für die strukturierte Auswertung. Es beantwortet Fragen wie „Wo wurde heute das meiste Volumen gehandelt?“, „Wer war in dieser Kerze aggressiv?” oder „Wie hat sich das Delta an meiner Zone verhalten?“. Wer gerne systematisch analysiert, Zonen vorbereitet und Beobachtungen in Zahlen fassen will, findet hier seine Umgebung.
Bookmap im Profil: die Heatmap des Orderbuchs
Bookmap hat einen anderen Ausgangspunkt: das Orderbuch. Das klassische Problem des Orderbuchs ist seine Flüchtigkeit, denn der DOM ist eine Momentaufnahme, die sich im Sekundentakt ändert. Bookmap löst das mit der Heatmap: Die liegenden Limit-Orders werden über die Zeit in den Chart gezeichnet. Preisbereiche mit viel passiver Liquidität erscheinen als helle Zonen, und du siehst nicht nur, wo große Orders liegen, sondern auch, wie sie sich verhalten.
Genau dieses Verhalten ist die eigentliche Information. Du beobachtest in Echtzeit, ob eine große Limit-Order-Wand bestehen bleibt, wenn der Kurs sich nähert, ob sie aufgestockt wird oder kurz vor der Berührung verschwindet. Du siehst, wie aggressive Market-Orders in eine Liquiditätszone laufen und dort absorbiert werden, während der Preis trotz hohem Volumen kaum vorankommt. Und du erkennst, wie der Kurs durch dünn besetzte Bereiche beschleunigt, weil dort schlicht keine Orders warten.
Der Charakter des Tools: Bookmap ist ein Beobachtungsinstrument. Es beantwortet Fragen wie „Wo liegt gerade Liquidität?“, „Hält diese Zone dem Druck stand?” oder „Zieht sich die Gegenseite zurück?“. Wer den Markt lieber als lebendiges Bild betrachtet statt als Zahlenkolonne, bekommt hier die intuitivste Darstellung, die Orderflow zu bieten hat.
Der Kernunterschied in einem Satz
Wenn du dir nur eine Sache aus diesem Vergleich merkst, dann diese: ATAS zeigt primär, was gehandelt wurde, Bookmap zeigt primär, was geboten wird. Das eine ist die Vergangenheit bis zur Gegenwart des ausgeführten Volumens, das andere die Gegenwart der wartenden Liquidität. Beides sind komplementäre Perspektiven auf denselben Markt, kein Entweder-Oder.
| ATAS | Bookmap | |
|---|---|---|
| Primäre Perspektive | Ausgeführtes Volumen: was gehandelt wurde | Liegende Liquidität: was geboten wird |
| Zentrale Darstellung | Footprint- und Clustercharts, Volume Profile | Heatmap des Orderbuchs über die Zeit |
| Typische Frage | „Wer war hier aggressiv und mit wie viel Volumen?“ | „Wo liegt Liquidität und wie reagiert der Markt darauf?“ |
| Stärke | Strukturierte Auswertung, Statistik, viele Charttypen | Intuitive Visualisierung, Absorption in Echtzeit sichtbar |
| Passt zu | Systematischen Analysten und Statistik-Fans | Visuellen Lernern und Beobachtern |
Wichtig für die Einordnung: Beide Programme decken auch Teile der jeweils anderen Perspektive ab. ATAS kann Orderbuchdaten darstellen, Bookmap zeigt auch ausgeführte Trades. Der Vergleich beschreibt die Schwerpunkte, nicht harte Grenzen.
Für wen welches Tool passt
Die ehrliche Antwort auf die Frage „ATAS oder Bookmap“ hängt weniger vom Tool ab als von dir. Drei typische Profile:
- Du steigst gerade erst in Orderflow ein. Dann führt der strukturierte Weg meist über die Volumenanalyse, also über Volume Profile und Footprint. Diese Konzepte sind das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut, und sie sind das Terrain von ATAS. Die Heatmap entfaltet ihren Wert vor allem dann, wenn du schon weißt, wonach du suchst.
- Du bist ein visueller Lerner. Manche Trader verstehen Absorption erst wirklich, wenn sie zusehen, wie Market-Orders in eine helle Liquiditätszone laufen und der Preis stehen bleibt. Wenn dir Tabellen und Zahlencluster schwerfallen, kann Bookmap der Zugang sein, über den Orderflow für dich greifbar wird.
- Du willst systematisch auswerten. Wenn du Setups statistisch erfassen, Volumenverhalten über viele Sessions vergleichen und deine Analyse in messbare Kriterien übersetzen willst, spricht das für ATAS als Hauptwerkzeug.
Zwei Dinge gelten dabei für beide Programme. Erstens: Die Lernkurve ist real. Zwischen der Installation und einer verlässlichen Lesefähigkeit liegen Wochen bis Monate an Bildschirmzeit, egal für welches Tool du dich entscheidest. Zweitens: Ein Tool ist keine Strategie. Weder ATAS noch Bookmap sagt dir, wann du einsteigen sollst. Ohne einen Handelsansatz, der Zonen, Setups und Risikomanagement definiert, liefert dir jede noch so gute Software nur Eindrücke ohne Konsequenz.
Beide kombinieren: sinnvoll, aber in der richtigen Reihenfolge
Weil sich die Perspektiven ergänzen, nutzen viele erfahrene Orderflow-Trader tatsächlich beide Programme. Ein typisches Zusammenspiel sieht so aus: Mit dem Volume Profile und dem Footprint in ATAS werden relevante Zonen vorbereitet und im Nachhinein ausgewertet, mit der Heatmap in Bookmap wird live beobachtet, wie der Markt an diesen Zonen auf Liquidität trifft. Das ausgeführte Volumen liefert den Kontext, die liegende Liquidität das Verhalten im Moment.
Für den Einstieg raten wir trotzdem zur Reihenfolge statt zur Parallelität. Lerne zuerst ein Tool gründlich, bis du seine Darstellung flüssig liest, und nimm das zweite erst dann dazu, wenn die erste Perspektive sitzt. Wer beide gleichzeitig neu aufschaltet, verdoppelt die Lernkurve und halbiert das Verständnis. In welcher Reihenfolge du startest, darfst du von deinem Profil abhängig machen: Der systematische Weg beginnt bei ATAS, der visuelle bei Bookmap, und falsch ist keiner von beiden.
In der JKT-Ausbildung wirst du bei Einrichtung und Anwendung beider Programme betreut, die Begleitung bei den Trading-Tools ist fester Bestandteil der Kurse.
So triffst du deine Entscheidung
Am Ende läuft der Vergleich auf drei Fragen hinaus. Willst du primär auswerten, was gehandelt wurde, oder beobachten, was geboten wird? Lernst du eher über Zahlen und Struktur oder über Bilder und Bewegung? Und wie viel Zeit kannst du realistisch investieren, bevor du ein zweites Werkzeug dazunimmst? Wer diese Fragen für sich beantwortet, hat die Tool-Frage im Wesentlichen gelöst, denn beide Programme sind etablierte Profi-Werkzeuge, und keines davon ist ein Fehlkauf, wenn es zur eigenen Arbeitsweise passt.
Ein Grundsatz zum Schluss: Kein Orderflow-Tool ersetzt Marktverständnis, Risikomanagement und einen erprobten Handelsansatz. Die Software zeigt dir den Markt, handeln musst du selbst. Trading birgt erhebliche Risiken. Handle nur mit Kapital, dessen Verlust du verkraften kannst.
Wenn du unsicher bist, welcher Einstieg zu deinem Stand passt, buche eine kostenlose Erstberatung: Dort klären wir gemeinsam, wo du stehst und welche Werkzeuge für deinen Weg sinnvoll sind. Wie die Betreuung bei ATAS und Bookmap in den einzelnen Paketen aussieht, findest du auf unserer Leistungsseite.
